Wirkungs- und personenfokussierte Pflege und Betreuung
Diskussionsvorschlag zur Reform der Pflegeversicherung
Eine branchenübergreifende Arbeitsgruppe (15 Organisationen) schlägt radikale Systemänderung vor: Ersatz des Euro-basierten durch ein Leistungsstunden-Budget je Pflegegrad. Vorbild: Eingliederungshilfe.
Kernelemente: Tagesbezogenes Zeitbudget (x Stunden/Tag je Pflegegrad), nutzbar in 10-Minuten-Einheiten, poolbar über Anbieter und Versorgungsformen hinweg. Trennung von Wohn- und Pflegekosten. Preise werden zwischen Kassen und Leistungserbringern verhandelt. Kompetenzorientierte statt personalschlüsselbasierte Steuerung. Outcome- statt Input-Orientierung bei Qualitätsprüfungen.
Ermöglicht flexible Sorge-Arrangements, digitale Pflege, Prävention, echtes Wahlrecht. Kompatibel mit SGB VIII/IX. Vereinfachtes Ordnungsrecht. Ziel: Transparenz für Betroffene, unternehmerische Innovation, Personalmangel-Dämpfung durch Prävention und neue Personalkonzepte.
Anmerkung
Die Arbeitsgruppe besteht aus den Organisationen und Unternehmen leben & wohnen, Stiftung Liebenau, Kanzlei Bernzen Rechtsanwälte, Landesverein für Innere Mission S-H, Home Instead Deutschland, Pflegen & Wohnen, Johanniter Unfallshilfe, Diakonie Michaelshoven, Kanzlei Richter Rechtsanwälte, KWA Kuratorium Wohnen im Alter, Rummelsburger Diakonie, Diakonie Gütersloh e.V., Caritas Neuss, Rosenbaum Nagy.
Am 16. Juli 2025 wurde der Vorschlag mit folgender Pressemitteilung ergänzt:
„Die Arbeitsgruppe „Diskussionsvorschlag zur Reform der Pflegeversicherung“ hat vor drei Jahren erstmalig einen umfassenden, praxisbezogenen Diskussionsvorschlag zur Reform der Pflegeversicherung veröffentlicht. Die 15 Expertinnen aus der Pflegepraxis haben ihren Vorschlag mit den Arbeitsaufträgen des Zukunftspakts Pflege 2025 abgeglichen. Viele der Fragestellungen können mit dem vorliegenden Diskussionsvorschlag beantwortet werden. Es liegt ein zukunftsweisendes Modell zur Neustrukturierung des Leistungsrechts auf dem Tisch, dass auf eine effiziente Verwendung der Beitragsgelder setzt. Der Vorschlag adressiert zentrale Herausforderungen der Pflegeversicherung – demografischer Wandel, Fachkräftemangel, Kostenentwicklung – mit einem systemisch konsistenten Ansatz: dem persönlichen Zeitbudget.
Zeit statt Geld: Neue Logik der Leistungsgewährung
Kern des Modells ist die Ablösung der bisherigen Geldbetragslogik durch ein kalendertägliches Zeitbudget je Pflegegrad (z. B. Pflegegrad 4 = 4 Stunden). Die Vergütung erfolgt auf Basis bundeseinheitlich verhandelter Stundenpreise zwischen Leistungserbringern und Pflegekassen. Damit wird eine transparente, kalkulierbare und sozial ausgewogene Preisstruktur geschaffen, die sowohl unternehmerische als auch gesellschaftliche Belange berücksichtigt.
Sektorengrenzen auflösen – Versorgung flexibilisieren
Das Modell hebt die Trennung zwischen ambulanter und stationärer Versorgung auf. Pflegebedürftige können ihr Zeitbudget individuell oder gemeinschaftlich nutzen – unabhängig vom Ort der Leistungserbringung. Dies ermöglicht neue Angebotsformen, insbesondere im ländlichen Raum, und fördert die Entwicklung digital unterstützter Versorgungsmodelle.
Pflegegeld an überprüfbare Leistungen koppeln
Das Pflegegeld wird künftig nicht mehr als pauschaler Einkommensersatz gewährt, sondern an konkrete, im Rahmen der Beratung (§ 37.3 SGB XI) überprüfbare Leistungen gebunden. Die Vergütung erfolgt direkt an die pflegende Person und orientiert sich an einem prozentualen Anteil des bundeseinheitlichen Stundenpreises.
Prävention und Planungssicherheit integriert
Durch die Integration präventiver Leistungen in das Zeitbudget entstehen Anreize für nachhaltige Versorgungsqualität. Gleichzeitig schafft das Modell durch die Mengensteuerung über Zeitbudgets und ein dynamisches Preisfindungsverfahren eine belastbare Planungsgrundlage für die Ausgabenseite der Pflegeversicherung.
Einladung zum Dialog
Die AG Diskussionsvorschlag – ein interdisziplinäres Gremium aus 15 Expertinnen und Experten – stellt ihre Expertise für vertiefende Fachgespräche zur Verfügung. Ziel ist es, bis Ende 2025 gemeinsam mit Bund und Ländern tragfähige Reformvorschläge zu verabschieden.“
Quelle
veröffentlicht 11.2024
Link vom 05.01.2026: https://www.rummelsberger-diakonie.de/sites/default/files/2024-11/Diskussionsvorschl%C3%A4ge_Pflegeversicherungsreform_2._Auflage_2024.pdf._Auflage_2024.pdf